vorarlberg.at/presse · Regierungserklärung
Herr Präsident, hoher Landtag!
In der Antrittserklärung vor einer Woche habe ich meine Grundsätze einer zukunftsorientierten Politik für Vorarlberg dargelegt und zur konstruktiven Mitarbeit eingeladen. Gleichzeitig versuchte ich, Ansätze einer neuen Kursbestimmung für unser Land aufzuzeigen. Heute sollen die wichtigsten Handlungsfelder und Vorhaben der Vorarlberger Landesregierung für die nächsten Jahre skizziert werden. Dabei geht es nicht um einen auf Vollständigkeit ausgerichteten Maßnahmenkatalog, sondern um Arbeitsschwerpunkte und Prioritäten.
Die Menschen in unserem Land haben ein eindeutiges Bild über Zukunftserwartungen und Hoffnungen, das nicht ohne Widersprüche ist. Im Großen und Ganzen wollen wir morgen und übermorgen nicht viel anders leben als heute, vielleicht mit etwas weniger Hektik, mit zumindest gleichem Wohlstand, ohne Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes, in einer sauberen Umwelt, ohne Bedrohung von Außen und in Sicherheit. Unsere Kinder sollen es wenigstens so gut haben wie wir heute.
Einerseits ist es ja auch wahr: Der Fleiß der Mitbürger, die gute wirtschaftliche Entwicklung und ein stabiler politischer Rahmen haben in den letzten Jahrzehnten eine erstaunlich gute Entwicklung möglich gemacht. Breiter Wohlstand wie nie zuvor, gute Infrastruktur in Stadt und Land, überblickbare soziale Strukturen, verbesserte Umweltverhältnisse, ein ausgebautes Gesundheits- und Bildungswesen. Vorarlberg gilt weithin als Musterland und ist es auch.
Gleichzeitig spüren wir aber auch, daß vieles in Wirtschaft und Gesellschaft in Bewegung, manches aus dem Lot geraten ist.
Ostöffnung und Globalisierung drängen Fragen der Wirtschaft in den Vordergrund und erzeugen großen Reform- und Kostendruck. Der Wandel zur Informationsgesellschaft ist vergleichbar mit dem Übergang von der Agrargesellschaft zur Industriegesellschaft. Mit einer solchen Dimension von Veränderung haben wir es zu tun. Zeitgleich werden die Grenzen unserer Versorgungs- und Wohlstandsgesellschaft sichtbar. Schleichend verdünnen sich wichtige Werte und ein neuer Egoismus bedrängt nicht nur die Schwachen, sondern die Gemeinschaft insgesamt.
Nicht tun was ankommt, sondern das, worauf es ankommt
In dieser Zeit des Umbruchs sehe ich es als
wichtigste Aufgabe, Orientierung zu geben, das Notwendige
verständlich zu machen und danach zu handeln. Nicht nur das zu tun,
was ankommt, sondern das, worauf es ankommt. Eine Politik der
Reformen, der Veränderung, der Innovation, aber auch der Pflege
unserer Wurzeln und Traditionen auf der Basis eines christlichen
Menschenbildes. Vorarlberg steht - wenige Jahre vor der
Jahrtausendwende - vor Jahren der wirtschaftlichen, aber auch
gesellschaftlichen Bewährung. Wir haben die Chance, weiterhin zu
den Besten zu zählen, aber wir müssen uns anstrengen.
Vorausstellen - sozusagen als Überschrift - möchte ich: Es geht um den Menschen, wenn wir von Wirtschaft sprechen, es geht um den Menschen, es geht um unsere Kinder, wenn wir von Nachhaltigkeit sprechen, und es geht um Menschen, wenn wir von neuen Ansätzen der Familienpolitik reden. Der Mensch steht im Mittelpunkt, nicht abstrakte Prinzipien oder irgendwelche Interessen von Gruppen.
Zukunftsorientierung vor Konsumorientierung
Ein Lebensnerv unserer politischen Arbeit der
nächsten Jahre ist die Finanzkraft des Landes. Das Land Vorarlberg
verfügt über einen zwar angespannten, aber im Kern gesunden
12-Milliarden Haushalt. Nahezu jeder dritte Schilling ist direkt
oder indirekt investitionswirksam. Andere österreichische
Bundesländer sehen sich gezwungen, Länder-sparpakete zu schnüren,
wir sind in der Lage, wichtige Zukunftsinvestitionen vorzunehmen.
Im heurigen Jahr können wir die investitionswirksamen Ausgaben um
200 Millionen Schilling anheben. Es ist die Finanzpolitik von
heute, die über die Lebenschancen kommender Generationen
entscheidet.
Unser finanzpolitisches Credo muß daher sein:
Zukunftsorientierung vor Konsumorientierung. Die
Lebenskraft einer Epoche zeigt sich nicht in ihrer Ernte, sondern
in ihrer Aussaat.
Dort wo - manchmal auch gut gemeinte - Vorschläge auftauchen, auf Kosten der Nachkommen unsere Bequemlichkeit zu erhalten, werden wir unsere Stimme vehement erheben. Wir werden auch in Zukunft die Ausgaben den Einnahmen anpassen und wenn nötig den Sparstift ansetzen. Erklärtes Ziel der Landesregierung bleibt, die hohen Vorarlberger Standards in der Sozial-, Umwelt-, Wohnbau- und Bildungspolitik weitgehend zu halten und den finanziellen Spielraum als eigentlichen Kern unserer föderalistischen Gestaltungskraft zu bewahren.
Wirtschaftskonzept Vorarlberg 2000
Die gegenwärtige wirtschaftliche Situation
verlangt, ergänzende Impulse, um Wachstum und damit mehr
Beschäftigung zu erreichen. Es geht uns um die Menschen, die Arbeit
suchen. Die soziale Marktwirtschaft hat Zukunft.
Finanzieren wollen wir die Vorarlberger Wirtschaftsoffensive über eine Teilprivatisierung der Vorarlberger Hypothekenbank. Die Suche nach einem strategischen Partner wurde bereits eingeleitet. Die Vorgaben sind klar: 1997 Abschluß der Partnersuche, 1998 praktische Umsetzung.
Mit einem Bündel von Maßnahmen wird das Land Vorarlberg die Wettbewerbskraft der heimischen Wirtschaft stärken. In unserem neuen Wirtschaftskonzept "Vorarlberg 2000" sind folgende strategische Zukunftsfelder angesprochen: Technologietransfer, Telekommunikation, Standortmarketing, Förderung von Forschung und Entwicklung, Bereitstellung von Chancenkapital, verstärkte Orientierung am Prinzip Nachhaltigkeit, Orientierung an neuen industriepolitischen Konzepten wie Clusterbildung, Projekt Netzwerk für Auslandsvorarlberger, Jungunternehmerförderung und Lehrlingsausbildung.
Erlauben Sie mir auf die wichtigsten Maßnahmen der nächsten Jahre einzugehen:
Wir verfügen heute über die verschiedensten Serviceeinrichtungen für die Vorarlberger Wirtschaft. Ziel ist es, diese Einrichtungen zu bündeln, zu straffen und damit deren Schlagkraft deutlich zu verbessern. Dazu zählen insbesondere die Betriebsansiedlungs GmbH und das Innovationszentrum des Landes Vorarlberg. Eine enge Verbindung zu diesen Serviceleistungen besteht außerdem im Bereich des Vorarlberger Technologietransferzentrums sowie - mit Abstrichen - in den Aufgaben der Telekommunikationsgesellschaft.
Über eine Straffung dieser Einrichtungen soll eine Konzentration auf folgende Bereiche erreicht werden: Professionelles Standortmarketing, umfassendes Dienstleistungsangebot für Betriebsansiedlungs-interessenten aber auch für heimische Betriebe, Suche und Vermittlung von Joint-venture Partnern, Technologietransferleistungen, Aufbau strategischer Partnerschaften mit Forschungseinrichtungen und Regionen, Definition von Forschungsschwerpunkten, Informations-veranstaltungen sowie begleitende Beratung von Neugründungen.
Chancenkapital
Mit dem neuen Chancenkapitalmodell Vorarlberg
wollen wir Unternehmen bei Erweiterungsinvestitionen ebenso
unterstützen wie junge Betriebsgründer in der Startphase.
Jedes neue Unternehmen schafft neue
Arbeitsplätze.
Das Modell sieht vor, privaten Investoren, die sich mit Kapital an einem heimischen Unternehmen beteiligen wollen, einen Anreiz in Form einer teilweisen Haftungsübernahme durch das Land Vorarlberg zu geben.
Forschungsschwerpunkte
Weiterer wirtschaftspolitischer Schwerpunkt der Landespolitik
ist die gezielte Forcierung der betrieblichen Forschungs- und
Entwicklungsarbeit. Wir verfügen heute über Industrieunternehmen
mit Weltruf und eine stark exportorientierte mittelständische
gewerbliche Wirtschaft, die im Wettbewerb um neue Produkte, neue
Dienstleistungen, neue technische Verfahren und Lösungen steht. Mit
den Förderungsmöglichkeiten im Bereich Forschung und Entwicklung
haben wir ein Instrument, das keinen internationalen Vergleich zu
scheuen braucht. In Zukunft wird es aber auch darum gehen, die
Fördermöglichkeiten auf sorgfältig abgestimmte
Forschungs-schwerpunkte zu konzentrieren und dadurch eine
schnellere Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in
Markterfolge zu ermöglichen.
Telekommunikation - e-mail-Adresse für Vorarlberger Schüler
und Lehrer
Die gezielte Anwendung neuer Kommunikationstechnologien wird
einer der Schlüssel für die Wettbewerbsfähigkeit von morgen. Dies
erfordert den raschen Ausbau einer modernen Infrastruktur ebenso
wie eine umfassende Bewußtseinsbildung und gezielte Maßnahmen im
Bereich der Aus- und Weiterbildung. Dank öffentlicher und privater
Initiativen übernimmt Vorarlberg österreichweit eine
Vorreiterrolle. Die mit der Vorarlberger
Telekommunikationsgesellschaft begonnene Aufbauarbeit wird
fortgesetzt. Im Rahmen des Schulprojektes ist der Internet-Ausbau
von derzeit 50 auf 100 Schulen zügig voranzutreiben.
Die nächsten Schritte sind der Aufbau eines Bildungsservers als zentrale Bildungsplattform für Vorarlbergs Schüler und Lehrer. Wir bieten in den nächsten Monaten jedem Schüler und Lehrer an einer Vorarlberger Schule, die bereits über einen Internet-Anschluß verfügt, eine persönliche e-mail Adresse. Damit übernehmen wir europaweit eine Vorreiterrolle.
Weitere Schwerpunkte sind Projekte, die durch den Einsatz von Telematik die Klein- und Mittelbetriebe wettbewerbsfähiger machen. Auch die Behördenvernetzung wollen wir vorantreiben, um die Qualität der öffentlichen Dienstleistungen für den Bürger und die Wirtschaft weiter zu verbessern.
In der Vorarlberger Industrie vollzieht sich ein gewaltiger Strukturwandel, der in den vergangenen Jahren schmerzliche Einbrüche im produzierenden Bereich - vor allem in der Textilbranche - zu Folge hatte. In Vorarlberg ist jeder dritte Arbeitsplatz direkt oder indirekt von der Industrie abhängig. Auf Grundlage einer Untersuchung der Wirtschaftsuniversität Wien sehen wir neue Strategien in einer verstärkten Vernetzung branchenverwandter Industrie- und Dienstleistungs-bereiche. Solche Stärkefelder werden als Cluster bezeichnet und können die Durchschlagskraft der beteiligten Unternehmen im internationalen Wettbewerb wesentlich erhöhen. Für Vorarlberg werden diese Chancen insbesondere in den Bereichen Verkehr und Mobilität sowie Bauen und Wohnen gesehen, die es mit geeigneten Wirtschaftsförderungsmaßnahmen zu nützen gilt.
Berufsausbildung sichert Arbeitsplätze
Einer der zentralen strategischen Standortfaktoren der
Zukunft ist die Qualifikation unserer Arbeitskräfte. Eine besondere
Bedeutung kommt dabei in Zukunft der Lehrausbildung zu. Fast jeder
zweite Jugendliche in Vorarlberg absolviert eine qualifizierte
Lehre. Vorarlberg hat im Bereich der dualen Ausbildung nicht
zuletzt auch mit einer mustergültigen Ausstattung der Berufsschulen
neue Maßstäbe gesetzt. Die Erweiterung und Modernisierung der
Kaufmännischen Berufsschule in Dornbirn und der Berufsschule für
das Gastgewerbe in Lochau werden in Angriff genommen. In
Fortsetzung der bereits fertiggestellten Erweiterung der HTL
Bregenz wird das Land auch die Sanierung und Adaptierung der beiden
Schulgebäude für den Bund vorfinanzieren.
Duale Ausbildung stärken
Die drei neuen "High-Tech-Berufe mit vierjähriger
Lehrzeit" Maschinenmechaniker, Werkzeugmechaniker und
Anlagenelektriker wurden in Vorarlberg in mehrjähriger Arbeit mit
großem Einsatz und Erfolg entwickelt. Rund 400 Jugendliche werden
gegenwärtig in diesen Berufen ausgebildet.
Das duale Ausbildungssystem ist eine hervorragende Basis für die Ausbildung der Fachkräfte von morgen. Mein Ziel wird es daher sein, gemeinsam mit den lehrausbildenden Unternehmen von Industrie, Gewerbe und Handwerk, die über ein breit gefächertes Lehrstellenangebot verfügen, die Basis für die Weiterentwicklung der Lehrausbildung in unserem Lande zu schaffen. Dies nicht zuletzt deshalb, weil im Kreis der Lehrabsolventen das mit Abstand größte Potential für die Gründung selbständiger Existenzen zu finden ist.
Dies erfordert gemeinsame Anstrengungen: Mein Appell geht an die Unternehmen, sich der Bedeutung der Facharbeiter für die Zukunft wieder verstärkt bewußt zu werden und jenes Engagement in der Lehrausbildung zu zeigen, das erforderlich ist, um allen Lehrstellensuchenden geeignete Arbeitsplätze vermitteln zu können.
Als Vorbereitung zur Lehrlingsproblematik im Herbst werden wir noch vor der Sommerpause Koordinationsgespräche mit Arbeitsmarktservice, Gemeinden, und Sozialpartnern führen.
Netzwerk von Auslandsvorarlbergern bilden
Ein weiteres wirtschaftspolitisches Ziel ist die
verstärkte Internationalisierung unserer Wirtschaft. Dazu zählt die
Erschließung neuer Exportmärkte ebenso wie der ständige
internationale Gedankenaustausch. Für den kommenden Herbst planen
wir eine Studienreise in die Niederlande, um die dortigen
wirtschaftspoltischen Reformansätze näher zu analysieren. Wir haben
uns vorgenommen, das Wissen und die Erfahrung von
Auslandsvorarlbergern, die weltweit in führenden Funktionen der
Wirtschaft tätig sind, zu nutzen und ein Netzwerk an Beziehungen
aufzubauen.
Tourismus in Vorarlberg
Der Tourismus als ein bedeutendes Wirtschaftsfeld
in Vorarlberg trägt sehr zum Ausgleich der regional bedingten
Nachteile bei und hilft annähernd vergleichbare Lebensverhältnisse
in sämtlichen Regionen unseres Landes zu schaffen. Um dem
internationalen Wettbewerbsdruck Stand zu halten, wurde das
Werbebudget des Landes Vorarlberg in den letzten Jahren massiv
erhöht. Wesentliche Impulse erwarte ich von unserem
tourismuspolitischen Programm, mit den vier Säulen Innovation,
Kooperation, Technologieoffensive und Aus- und Weiterbildung. Es
geht auch darum, den Auf- und Ausbau elektronischer Informations-,
Reservierungs- und Buchungssysteme mit internationaler Vernetzung
voranzutreiben.
Hohes Niveau im Wohnbau halten
Im Bereich Wohnbau ist nach erfolgreicher Bewältigung der
Wohnungsknappheit beabsichtigt, die Bauleistung auf dem hohen
Niveau von ca. 2000 neuen Wohnungen und die Zahl der Sanierung
deutlich höher zu halten. Die Bedeutung der Sanierung für die
Beschäftigung gerade im gewerblichen Bereich ist sehr hoch.
Sanierung wird daher ein wichtiger Schwerpunkt der nächsten Jahre
sein. Die Anstrengungen zu preisgünstigem Wohnbau über
Pilotprojekte laufen gut an und werden durch Anreize im
Förderungssystem verstärkt. Technisch sind durch Anpassung der
Baunutzungszahl, kompakte Baukörper, Verzicht auf Tiefgaragen und
einige andere Maßnahmen Einsparungen möglich, wenn Baubehörden und
Bewohner dies akzeptieren. Energietechnisch und in der Lärmdämmung
können solche Bauten hervorragend sein. Auch die Qualität der
Gestaltung kann sich sehen lassen. Die Kernfrage ist nicht die der
technischen Möglichkeit, sondern des Anspruchs an den Standard des
Wohnumfeldes durch Gemeinden und Bewohner.
Im Bereich der Energiepolitik war es uns vergönnt, durch den Erwerb der Illwerkeaktien die kluge Konzeption der Gründer vorzeitig zu vollenden. Der Zweck der Anstrengung war die Sicherung der Wassernutzung vor Fremdbestimmung und die Erhaltung der Wertschöpfung für die Menschen in Vorarlberg. Mit dem Kauf der Aktien sind aber nicht alle Probleme gelöst. Der Europäische Strommarkt hat sich durch Überangebot und Liberalisierung stark verändert. Das bedeutet für unsere Unternehmen zusätzlichen Kostendruck, Rationalisierung und nutzen von Synergien. Wir machen das sozial verträglich. Bei den Illwerken wird in den nächsten Jahren die Gestaltung des Verhältnisses zu dem Stromabnehmern ein wichtiges Thema sein.
Regelungsdruck verringern (Deregulierung)
In der Vorarlberger Landesregierung läuft seit
längerem eine Aktion der bewußten Zurücknahme des gesetzlichen
Regelungdrucks. Wir sollten damit aufhören, für jedes Problem
sofort nach einen Gesetz oder nach einer Verordnung zu rufen,
anstatt den gesunden Hausverstand eigenverantwortlich einzusetzen.
Verwaltungsvereinfachungen haben wir im Gesetz für Naturschutz und
Landschaftsentwicklung, im Raumplanungsgesetz und im Bereich
Wohnbau bereits umgesetzt. Die nächsten Schritte folgen im
Baugesetz und in der Abfallgesetzgebung. Gleichzeitig bemüht sich
die Landesverwaltung um die laufende Vereinfachung und
Beschleunigung von Verwaltungsverfahren. So werden gegenwärtig 53%
der gewerblichen Bewilligungsverfahren innerhalb von 3 Monaten, 75%
innerhalb von 6 Monaten erledigt. Weitere Verbesserungen sind
beabsichtigt.
Zügige Abwicklung von Verfahren und couragierte
Entscheidungsträger sind gefragt.
Neben den klassischen Instrumenten der Wirtschaftspolitik, wie sie auch im benachbarten Ausland eingesetzt werden, ist es notwendig, völlig neue Wege einzuschlagen. Es geht um nachhaltiges Wirtschaften und Denken, um Zukunftsfähigkeit und Innovation und um einen Wettbewerb der besten Ideen. Nachhaltigkeit heißt so zu leben und zu wirtschaften, daß wir die Chancen der kommenden Generationen erhalten, heißt von den Zinsen zu leben und nicht das Kapital zu verbrauchen.
Um die Herausforderungen der Zukunft erfolgreich bewältigen zu können, brauchen wir beides: eine offensive und weltoffene Wirtschaftspolitik ebenso wie moderne Strategien zur stärkeren Regionalisierung. Das ist kein Widerspruch, sondern eine sinnvolle Ergänzung. Es geht um die nachhaltige Sicherung unseres Lebensraumes.
Sicherung des Lebensraumes für unsere Kinder
Mit neuen Zielen und einem umfassenden
Maßnahmenpaket werden wir die Umweltdiskussion neu beleben und aus
ihrer Sackgasse herausführen. Wir müssen erkennen, daß die alten
Strategien des Umweltschutzes mit staatlichen Geboten, Verboten und
Nachsorgemaßnahmen nicht mehr ausreichend tragen. Umweltprobleme
können längst nicht mehr isoliert für sich allein betrachtet
werden. Unser Konzept der nachhaltigen Entwicklung zielt daher auf
eine ökologische Erneuerung ab, die die wirtschaftliche Entwicklung
und die soziale Wohlfahrt mit dem dauerhaften Schutz unserer
Lebensgrundlagen verbindet. Das ist mein Verständnis von
Nachhaltigkeit. Diese Überlegungen sind bereits in die Ziele des
neuen Gesetzes für Naturschutz und Landschaftsentwicklung
aufgenommen worden. Wir wollen, daß der Bürger wieder mehr
Verantwortung für die Gestaltung des eigenen Lebensraums übernimmt,
nach dem Motto
"Besser leben statt mehr haben".
Gute Lebensverhältnisse im ganzen Land
Die langfristige Sicherung unseres Lebensraumes muß in erster
Linie auf Gemeindeebene eingeleitet werden. Die Vorarlberger
Landesregierung hat in der Vergangenheit die Entwicklung der
Gemeinden in bewährter Partnerschaft gefördert. Das werden wir im
Einvernehmen mit dem Gemeindeverband weiterentwickeln. Die
wichtigsten Ziele sind die Sicherung guter Lebensverhältnisse im
ganzen Land, die Erhaltung der Nahversorgung und eine stärkere
Hilfe für Kleingemeinden. Das bedeutet neben der bestehenden guten
Förderung von Infrastrukturmaßnahmen in den Gemeinden, die
Schaffung eines neuen
Strukturfonds für finanzschwache Gemeinden. Im
Rahmen der Vorarlberger Klimakampagne soll der erfolgreiche Weg mit
den Gemeinden und Umweltorganisationen gemeinsam durch den
Schwerpunkt Nahversorgung weiter fortgesetzt werden.
Nachhaltigkeit bei Energie und Verkehr
Energie und Verkehr sind zwei wichtige Grundlagen für unsere
wirtschaftliche Entwicklung und unseren Wohlstand. Energie und
Verkehr sind aber auch hauptverantwortlich für die Luftbelastung,
das bodennahe Ozon und den Treibhauseffekt. Im Sinne der
Nachhaltigkeit ist es notwendig, den Verbrauch fossiler Energien in
den nächsten Jahre zu senken, die Effizienz der Energienutzung zu
steigern und die erneuerbaren Energien zu fördern.
Vorarlberg wird diesem Anspruch folgend die Energiesparmaßnahmen weiter vorantreiben und den Ersatz fossiler durch erneuerbare Energieträger verstärkt fördern. Eine besondere Rolle spielen dabei in unserem Lande die Wasserkraft, die Biomasse und die Solarenergie. Unsere Ziele sind: Die Förderung der Nutzung heimischer erneuerbarer Energie, mit der Absicht den Biomasseanteil am Gesamt-Energieverbrauch von derzeit 3 Prozent auf 6 Prozent im Jahre 2010 zu verdoppeln, Fortsetzung der Förderung energiesparender Maßnahmen, vorsichtiger Ausbau der Wasserkraft, Förderung des Personennahverkehrs oder zum Beispiel die weitere Befreiung von Ortszentren und Wohngebieten vom Durchzugsverkehr. Im Bereich Luftreinhaltung und Klimaschutz ist beabsichtigt, die eingeleiteten Initiativen weiterzuführen. Hierher gehört auch eine restriktive Vorgangsweise in Fragen des Transitverkehrs.
Eine Vielzahl von ökologischen und ökonomischen Problemen haben ihre Ursachen darin, daß die Energie- und Rohstoffpreise zu niedrig, die menschliche Arbeit zu teuer geworden ist. Wir werden uns daher klar beim Bund und bei der EU für eine ökologische Steuerreform einsetzen, die die menschliche Arbeit entlastet und den Energie- und Rohstoffverbrauch im internationalen Gleichschritt und aufkommens-neutral belastet.
Trinkwasserversorgung hat Vorrang
In Vorarlberg ist die Versorgung mit qualitativ
hochwertigem Trinkwasser gegenwärtig gesichert. Der Bodensee
liefert heute Trinkwasser für rund 4,5 Millionen Menschen. Der
sorgsame Umgang mit unserem einzigen Bodenschatz ist für die
nachhaltige Sicherung unseres Lebensraumes eine Verpflichtung. Wir
werden uns daher auch in Zukunft um eine fortlaufende Verbesserung
von Wasserqualität und Wasserversorgung bemühen. Diese Überlegungen
sollen in ein eigenes "Trinkwasser-Vorsorgekonzept Vorarlberg"
eingehen. Ich halte in diesem Zusammenhang auch klar fest und zwar
um etwaigen Spekulationen vorzubeugen:
Die Trinkwasserversorung unserer Heimat hat Vorrang vor
allen anderen Nutzungs- und Bewirtschaftungsformen.
Vorangetrieben werden die Aktivitäten des Landes selbstverständlich auch in Fragen der Abfallvermeidung, Abfalltrennung und -wiederverwertung sowie der biologischen Behandlung. In diesem Sinne erfolgt eine Weiterentwicklung des Vorarlberger Abfallkonzeptes zu einem Gesamt-Abfallwirtschaftskonzept mit dem Ziel langfristiger Bewirtschaftungs- und Entsorgungssicherheit.
Der Arbeitsplatz Bauernhof braucht faire Zukunftschancen
Die nachhaltige Sicherung unseres Lebensraums
verlangt ein klares Bekenntnis zur Stärkung des ländlichen Raums,
zur Stärkung der heimischen Landwirtschaft. Bäuerin und Bauer
werden, muß für die bäuerliche Jugend weiterhin attraktiv und
erstrebenswert sein.
Der Arbeitsplatz Bauernhof muß unseren Bauernfamilien faire
Zukunftschancen bieten. Wir brauchen als Gegenstrategie
zur weltweit wachsenden Globalisierung für unsere Bauern und für
unsere Regionen ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen EU-weit
geltenden Bestimmungen und einer gestaltbaren Eigenverantwortung in
den einzelnen Ländern. Vorarlberg hat aus diesem Verständnis heraus
schon sehr früh die bäuerlichen Betriebe unterstützt und sich
bemüht - und dazu stehen wir heute und
auch nach 1999 - zum Beispiel den Rückgang des degressiven
Ausgleichs für landwirtschaftliche Produkte in Summe - nicht für
den Einzelbetrieb - auszugleichen. Wir sind fest
entschlossen, zur Existenzsicherung möglichst vieler bäuerlicher
Betriebe, in der Agrarpolitik Landesschwerpunkte zu setzen.
Wir brauchen aber auch verläßliche Partnerschaften innerhalb
der Landwirtschaft und darüberhinaus mit Handel, Gewerbe und
Tourismus, um die Konsumentenwünsche noch besser zu erfüllen und
die Marktposition für die heimischen Produkte weiter zu
festigen.
Die Wald- und Holzwirtschaft sichert in Vorarlberg im vor- und nachgelagerten Bereich rund 3.500 Arbeitsplätze und stärkt somit auch den ländlichen Raum. Unsere Waldwirtschaft ist Wertschöpfung im eigenen Land. Die Holzverwendung als Biomasse und Baustoff aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung ist ein Beitrag zum aktiven Umweltschutz und zur Sicherung unserer Bergregionen.
Modell der Vorarlberger Sozial- und Gesundheitspolitik
Nachhaltiges Handeln und eine Stärkung der
Eigenverantwortung und Eigeninitiative mit Blick auf die
Lebenschancen unserer Kinder ist auch im Sozial- und
Gesundheitsbereich unser Leitmotiv.
Eigenverantwortung soll dort Vorrang haben, wo es möglich und zumutbar ist, staatliche Hilfe soll dort einsetzen, wo die eigenen Kräfte und Mittel überfordert sind.
Unser zentrales Ziel bleibt, den hohen Standard des Vorarlberger Sozial- und Gesundheitssystems zu erhalten. Wir legen großen Wert darauf, die kleinen Netzwerke und Gemeinschaften im Nahraum zu stärken. Behinderte und pflegebedürftige Menschen zu möglichst selbständiger Lebensführung in ihrer gewohnten Umgebung zu befähigen, ist ein wesentliches Ziel unserer Arbeit. Die Betreuung pflegebedürftiger Menschen im Rahmen des ganzheitlichen Vorarlberger Pflegenetzes soll langfristig gesichert werden. Derzeit fließt jeder dritte Schilling unseres Landesbudgets in Ausgaben für die Bereiche Krankenanstalten, Sozialhilfe, Behindertenhilfe und Pflegesicherung. Wir verfügen heute in Vorarlberg über eine einzigartige Gesundheitsfürsorge und ein soziales Netz, das im In- und Ausland, u.a. auch von der Weltgesundheitsorganisation, als vorbildlich anerkannt wurde. Mit der Novellierung der Sozialgesetze, insbesonders der Schaffung eines Sozialfonds, sind Akzente für die Zukunft gesetzt.
Ich nenne einige wichtige Schwerpunkte unserer zukünftigen
Arbeit:
Die Familie, Ortsvereine und Selbsthilfegruppen, wie Krankenpflegevereine, Mobile Hilfsdienste, Sozialsprengel und Aktivgruppen, Gesunder Lebensraum werden weiterhin gefördert.
Das in Vorarlberg initiierte Modell des Pflegegeldes soll ergänzt werden durch Maßnahmen, mit denen pflegende Angehörige in ihrer schwierigen Arbeit entlastet werden.
Die Landesregierung erarbeitet einen Bedarfs- und Entwicklungsplan, der die Standards für ambulante, teilstationäre und stationäre Einrichtungen im Rahmen des ganzheitlichen Vorarlberger Pflegenetzes definieren wird. Neue Schwerpunkte in der Behindertenhilfe werden sein die Unterstützung der Projekte "Ambulant betreutes Wohnen", sowie der Förderwerkstätte der Lebenshilfe und der Caritas.
Die Landesregierung wird sich zur Verhinderung von Langzeitarbeitslosigkeit auch in Zukunft an sozialen Arbeitsprojekten, wie Haus der jungen Arbeiter, beteiligen.
Das Vorarlberger Gesundheitssystem ist finanzierbar
Die Gesundheit liegt weitgehend in der
Eigenverantwortung und Eigenvorsorge des einzelnen Bürgers. Wir
bekennen uns aber dort zur Verantwortung, wo der Einzelne, die
Familie oder kleine Gemeinschaften überfordert sind.
Die Landesregierung gibt nach dem Grundsatz "Vorbeugen ist besser als Heilen" der Gesundheitsförderung, also für die Verhinderung von Krankheiten, Vorrang.
An neuen Schwerpunkten sind vorgesehen:
Leistungsorientierte Krankenhausfinanzierung auf
der Grundlage der positiven Ergebnisse des Vorarlberger
Pilotversuches. Das Modellprojekt wird jetzt österreichweit
übernommen. Die Belegs- und Pflegetage gehen zurück, die
Verweildauer verkürzt sich.
Die Sanierung und Einbindung der Unfallchirurgischen Abteilung in das Landeskrankenhaus Bregenz und der Umbau von Ambulanzen in Feldkirch.
Der Ausbau des Nachsorgebereiches am Landeskrankenhaus Rankweil sowie der verstärkte Einsatz von Tageskliniken und Tageschirurgien zur Entlastung im Akutbettenbereich.
Neuer Familienpolitischer Ansatz - Vorrang für Kinder
Die Familie bildet den Kern unserer Gesellschaft.
Sie entspricht einem Grundbedürfnis der Menschen. Für Kinder ist
sie die erste und wichtigste Gemeinschaft, in der sie menschliches
Miteinander erfahren und einüben. Kinder sind eine Bereicherung,
sie bedeuten Zukunft. Wer sich für Kinder entscheidet, wer sie
betreut und erzieht, übernimmt eine unverzichtbare Aufgabe für die
Gesellschaft. Was in der Familie erfahren und erlernt wird, prägt
nachhaltig das Zusammenleben der Menschen in der Gesellschaft. Den
Alleinerziehenden wollen wir besonders helfen. Wir wollen eine
Gesellschaft, in der die Menschen Wärme und Geborgenheit erfahren
können. Dazu braucht der Einzelne Halt und Orientierung in der
Familie.
Kernpunkt der Familienpolitik in den letzten Jahren war die
Einführung des Familienzuschusses des Landes, eine Initiative, die
zwischenzeitlich von allen Bundesländern nachgeahmt wurde. Erwähnen
möchte ich dabei auch die Aktion familiengerechte Gemeinde, die
selbstverständlich weiter fortgeführt wird. Wir haben beachtliche
Leistungen für die Familien erbracht. Vorarlberg ist ein
Familienland und soll es auch bleiben. Doch nichts kann so gut
sein, daß es nicht noch verbessert werden könnte.
Beim Nachdenken über
innovative Strategien in der Familienpolitik
wurden zwei Einschränkungen berücksichtigt: Erstens, keine
Strategien, die neue Ansprüche an den Staat bedeuten und nur darauf
abzielen, mehr Geld zu verteilen. Zweitens, keine Strategien, die
verstärkte gesetzliche Restriktionen und Regelungen benötigen.
Präsentieren darf ich Ihnen heute auch in Grundzügen einen
neuen, durchaus spannenden
familienpolitischen Ansatz. Dieser stellt das Wohl
der Kinder und nicht das Interesse der Erwachsenen in den
Vordergrund.
Vorrang für Kinder bedeutet für uns: Kinder haben ein Recht
auf Erziehung durch ihre Eltern. Das bedeutet aber auch eine
stärkere Mitverantwortung für die Väter. Unter Vorrang des
Kindeswohls als Verpflichtung der Eltern ist die Chancengleichheit
von Frauen und Männern zu unterstützen. Es geht darum, unsere
Kinder stark zu machen, ihnen Lebenskompetenz und Selbstbewußtsein
zu geben, Eigenverantwortung und Bindungsfähigkeit aufzubauen und
den Gemeinschaftssinn zu stärken.
Wichtigstes Lernfeld für die Entwicklung sozialer Fähigkeiten ist die Familie selbst. Wir wollen daher die Eltern in ihrer Erziehungsarbeit vermehrt unterstützen. Es geht um eine Verbesserung des Informations- und Bildungsangebotes, die Entwicklung der Mütterberatungseinrichtungen zu Elternberatungsstellen, die verstärkte Förderung von Einrichtungen und Initiatvien im Bereich der Elternbildung, die Unterstützung von selbstorganisierten und privaten Kinderbetreuungsmodellen sowie die Sicherstellung einer altersgerechten Kinderbetreuung - dort wo es notwendig ist - durch die öffentliche Hand. Hierher gehört auch die Diskussion mit den Gemeinden über die Flexibilisierung der Kindergartenöffnungszeiten.
Für die Umsetzung unserer Vorstellungen kommt dem Erziehungs- und Bildungswesen eine besondere Bedeutung zu. Unser Maßnahmenpaket umfaßt die Schulung und Information von Kindergärtnerinnen, Eltern und Lehrer zu Familienthemen, soziales Lernen als Bestandteil des Schulunterrichts, eine verstärkte Aus- und Weiterbildung für KindergärtnerInnen, Informationsarbeit zum Thema Kindererziehung sowie eine Verbesserung des Ausbildungsangebots in den Institutionen der Erwachsenenbildung.
Besonders geprägt werden Kinder und Jugendliche auch in ihrem unmittelbaren sozialen Umfeld, im Nahraum der Gemeinden. Im Rahmen der Aktivitäten zur Gemeindentwicklung wollen wir auf das "Familienklima", auf die "Familienkultur" in den Gemeinden positiv einwirken.
Schließlich wird auch das gegenwärtige Verhältnis Familie und Arbeit im Rahmen unserer Möglichkeiten auf Landes- und Gemeindebene neu überdacht. Die Stichworte dazu sind familienfreundliche Arbeitszeiten, Flexibilisierung und Teilzeitarbeitsplätze.
Ohne Frauen ist kein Staat zu machen
Die Frauen in unserem Land leisten viel, in der
Familien- und Hausarbeit - ein Bereich, der in der Öffentlichkeit
höhere Wertschätzung verdient - zunehmend aber auch im Berufsleben
und in der Politik.
Diese Arbeit ist unverzichtbar. Ohne Frauen ist kein Staat zu machen.
Mit der Umsetzung des Gesetzes für Chancengleichheit für Frauen und Männer wird ein Weg beschritten, der über die rechtliche Gleichstellung hinaus, Hindernisse auf dem Weg zur Chancengleichheit beseitigen wird.
Ich sehe in der Förderung der tatsächlichen Gleichberechtigung von Frauen und Männern eine wesentliche und dringende Aufgabe. Das Vorantreiben der Chancengleichheit bleibt nicht auf Sondermaßnahmen für Frauen beschränkt. Deshalb werden wir im Rahmen der Frauenpolitischen Offensive folgende Arbeitsschwerpunkte setzen: Gleichbehandlung im Landes- und Gemeindedienst, Einrichtung eines Frauenpolitischen Rats, Chancengleichheit und Frauenfreundlichkeit in der Arbeitswelt, Frau und neue Technologien, Mädchenförderung, Angebot von Weiterbildungsmöglichkeiten zum Wiedereinstieg in den Beruf.
Die Landesregierung will Frauen keinen bestimmten Lebensentwurf vorgeben. Sie will ihnen die Entscheidungsfreiheit für die Familie oder für den Beruf, aber auch für Familie und Beruf ermöglichen. Die Entscheidung für Familie und Haushalt soll sehr geachtet sein.
Das Bedürfnis von Eltern, private Lebenspläne und berufliche Laufbahn miteinander zu vereinbaren, stellt insbesondere die Arbeitgeber und Arbeitnehmer vor neue Herausforderungen. Dabei muß die ganze Palette der Flexibilisierungsmöglichkeiten ausgeschöpft werden. Die Erprobung von neuen Arbeitszeitmodellen, die Schaffung weiterer Teilzeitarbeitsplätze auch im Landesdienst sowie die Überlegungen von neuen Lebensarbeitszeitmodellen sind notwendig. Um auf flexible familienfreundliche und frauenfördernde Beschäftigungsbedingungen auch in kleinen und mittleren Betrieben hinzuwirken, werden wir gemeinsam mit Unternehmen unseres Landes nach Modellen suchen.
Ziel soll es sein, dieses Gedankengut in die Betriebe hineinzutragen und zur Nachahmung anzuregen. Die Unternehmen können dabei erkennen, daß ein Beitrag zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch ihnen zugute kommen kann.
In der Politik wird es darum gehen, die Sichtweise der Frauen verstärkt einfließen zu lassen. Der Anteil der Frauen in allen Gremien auf Gemeinde- und Landesebene muß daher kontinuierlich erhöht werden. Wir werden auch ohne Quotenregelung den Anteil der Frauen in den gehobenen Positionen im Landesdienst gezielt erhöhen, Kommissionen und Gremien verstärkt mit qualifizierten Frauen besetzen.
Vorarlberg soll zu einem Land der Chancengleichheit für Frauen werden!
Investitionen in die Bildung sind Investitionen in die
Zukunft
Investitionen in die Bildung sind Investitionen in
die Zukunft unseres Landes. Bildung ist ein Wert an sich, hat aber
als fachliche Qualifikation mit den Chancen am Arbeitsmarkt und
insgesamt mit der Wettbewerbsfähigkeit eines Standortes zu tun. Die
Ausbildung der Menschen entscheidet über die Standortvorteile der
Region. In einer Zeit der Wissensexplosion, in der die
Halbwertszeit des Wissens ständig abnimmt, wird lebensbegleitendes
Lernen unverzichtbar. Lebensbegleitendes Lernen ist auch
entscheidend für die Verbesserung der langfristigen
Beschäftigungsaussichten. Dazu kommt, daß in Zukunft mehr denn je
Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit, Kommunikations- und
Konfliktfähigkeit unbedingte Anforderungen in den verschiedensten
Berufsfeldern werden.
Ein wichtiges Rüstzeug für den beruflichen Erfolg sind fundierte Sprachkenntnisse. Mit einer Fremdsprachenoffensive in allen Schulen wollen wir dieser neuen Anforderung an unsere Jugend gerecht werden.
Neben einem ausreichenden Angebot an Plätzen in den höheren Schulen, wollen wir die Qualität der Hauptschulen betonen.
Eine besondere Verantwortung in der Ausbildung junger Menschen trägt die Fachhochschule. Neben den drei bereits eingerichteten Fachhochschulstudiengängen Fertigungsautomatisierung, Betriebliches Prozeß- und Projekt-managment sowie Intermedia wird der Ausbau der Fachhochschule konsequent fortgesetzt.
Jugend ernst nehmen
Eine langfristig ausgerichtete Politik ist eine
Politik für die Jugend, weil sie Spielräume für die Zukunft offen
läßt. Die Jugendarbeit soll nicht nur für die Jugend, sondern in
erster Linie mit der Jugend, in Vereinen und in der offenen
Jugendarbeit gestaltet werden. Das Schwerpunktthema der
Jugendarbeit des Landes Vorarlberg ist die Erarbeittung von
Mitbestimmungsmodellen für Jugendliche. Dabei geht es um die
Politische Bildung von Jugendlichen, um die Einbeziehung in
politische Entscheidungsprozesse, wo immer dies möglich ist. Es
geht darum, Jugendliche ernst zu nehmen und ihnen die Chance
bieten, ihre Wertvorstellungen einbringen und umsetzen zu können.
Bereits heuer im Sommer wird es einen Austausch zwischen
Jugendlichen und Fachleuten zu diesem Thema im Rahmen einer
Jugenduniversität in Schloß Hofen geben.
Mit der Jugend etwas bewegen, heißt nicht nur sich mit Jugendfragen auseinandersetzen, sondern ihre Interessen, Bedürfnisse und Probleme gegenüber der Öffentlichkeit bewußt zu machen und zu vertreten.
Erhöhte Sportförderung macht Sinn
Besonders wichtig ist die Jugendarbeit in den
Sportvereinen. Die enorme Faszination, die vom Sport auf große
Teile der Jugendlichen ausgeht, drückt sich nach wie vor in hohen
Mitgliederzahlen aus. Daher werden wir die
Förderung weiter anheben.
Hohes Niveau und Qualität setzen Wissen und einen hohen Informationsstandard in Sachen Sport voraus. Daher ist es es notwendig, allen Trainern sowie der Jugend Informationen zugänglich zu machen, aus- und Fortbildungs-veranstaltungen vermehrt anzubieten und den Beratungsbereich auszubauen. Das neue Sportinformationszentrum soll zu einer Service - und Beratungsstelle ausgebaut werden.
Mit der Vorarlberger Landessportschule hat das Land eine wertvolle Einrichtung, die als Heimstätte für viele Verbände dient, geschaffen. Um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden und die Auslastung zu verbessern, bedarf es einer Erweiterung.
Vorarlberg ist ein Kulturland
Vorarlberg ist ein Kulturland. Dies läßt sich nicht
nur an der großen Zahl kultureller Veranstaltungen erkennen.
Vielmehr ist dies durch das große Interesse und die Bereitschaft
breiter Bevölkerungsschichten, sich für Kultur zu engagieren, zu
erkennen. Die Bandbreite ist beachtlich, auch das günstige
Verhältnis zwischen örtlichen, regionalen und zentralen
Einrichtungen und Ereignissen, zwischen traditionellen und
zeitgenössischen Aktivitäten ist gut.
Ein alter Schulfreund hat mir in dieser Woche ein Zitat von Theodor Heuss zukommen lassen: "Mit Politik kann man keine Kultur machen, aber vielleicht kann man mit Kultur Politik machen".
Wir wollen nicht Kunst schaffen oder lenken, sondern die kulturellen Infrastrukturen verbessern, ein gutes kulturelles Klima pflegen, in welchem kleine Kulturinitiativen neben den Bregenzer Festspielen und der Schubertiade Feldkirch, Amateurtheater neben dem Theater für Vorarlberg und Blasmusikkapellen wie Gesangsvereine neben dem Symphonieorchester ihre Aufgabe haben. So werden wir uns auch in den nächsten Jahren bemühen, durch Maßnahmen dem Begriff "Kulturland Vorarlberg" gerecht zu werden.
Die Reform der dem Amt der Landesregierung nachgeordneten Dienststellen "Kunsthaus Bregenz" und "Vorarlberger Landesmuseum" soll im Rahmen der kürzlich gegründeten Vorarlberger Kulturhäuser-Betriebsgesellschaft umgesetzt werden. Eine Koordination von Leistungen, Synergieeffekte und die vermehrte Anwendung von Managementmethoden werden dadurch erwartet, Freiräume vergrößert.
Der Jahrtausendwechsel soll Anlaß für eine Ausstellung sein, die sich - ausgehend von der reichen Geschichte des Klosters Mehrerau - mit Fragen der Zukunft beschäftigt. Die Einrichtung eines Komponistenstipendiums im Zweijahresrhythmus soll eine Lücke schließen.
Europa der Regionen - ein überschaubares Europa
Als weltoffenes und zugleich heimatverbundenes Land
bekennen wir uns zur internationalen Zusammenarbeit, in der Region
ebenso wie in der Europäischen Union. Mit dem Beitritt Österreichs
zur Europäischen Union ist die Europadebatte aber nicht beendet,
sondern in Wahrheit erst eröffnet worden. Die Europadiskussion ist
- auch in unserem Land - an einem schwierigen Punkt angelangt. Nach
dem europäischen Fahrplan sollen mit der Regierungskonferenz, die
Ende März 1996 in Turin begann, die Weichen neu gestellt werden.
Die Verwirklichung der Währungsunion schreitet zügig voran.
Gleichzeitig gibt es Ängste vor Identitätsverlust und Fremdbestimmung. Machen wir uns nichts vor: Eine erfolgreiche Europapolitik kann auf Dauer nicht gegen das Lebensgefühl der Menschen gestaltet werden. Aufgabe der Politik ist es, und dazu werden wir auch in Zukunft unseren Beitrag leisten, diesem Wandel gerecht zu werden. Und zwar durch einen konsequenten Einsatz für ein Europa der Regionen, für mehr Subsidiarität, für mehr Föderalismus. Im Rahmen unserer Mitwirkungsmöglichkeiten, etwa im Ausschuß der Regionen, werden wir weiterhin engagierter Anwalt des Föderalismus sein. Im Vertrag von Maastricht ist das Prinzip der Subsidiarität verankert worden, die realen Fortschritte sind aber noch zu wenig feststellbar.
Bürgernähe und Akzeptanz der Entscheidungen kann nur erreicht werden, wenn diese nachvollziehbar sind und die Kompetenz dazu auf der Ebene liegt, die den Betroffenen am nächsten steht. Aus meiner Sicht, das zentrale Anliegen im Rahmen der derzeit laufenden EU-Regierungskonferenz. Ein Handeln der europäischen Institutionen soll nur mehr dann möglich sein, wenn die angestrebten Ziele im jeweiligen Mitgliedsstaat bzw. in der Region nicht ausreichend erreicht werden können.
Vorarlberg hat von der Struktur- und Regionalpolitik der Europäischen Union bisher profitiert - uns wurde ein Ziel 2 und Ziel 5b-Gebiet zuerkannt. Unsere ersten Erfahrungen mit der EU-Struktur- und Regionalpolitik zeigen jedoch, daß diese vielfach unübersichtlich, zu uneffektiv und zu bürokratisch ist. Diesen Mißständen wollen wir im Zuge der Diskussion um die Sturkturfondsreform entgegenwirken. Dabei ist auch eine größere Eigenverantwortung der Länder bei der Umsetzung der EU-Regionapolitik anzustreben, da die derzeitige Einflußnahme der Europäischen Kommission in die Entwicklungsvorstellungen der Länder und Regionen mit dem Subsidiaritätsprinzip nicht übereinstimmt.
Forderungen an den Bund
Gleichzeitig werden wir auch mit Nachdruck die
innerstaatliche Stärkung der Eigenverantwortung der Länder
einfordern. Der Bundeskanzler hat dazu ein umfassendes
Forderungspaket des Landes Vorarlberg vor einigen
Tagen von mir erhalten. Das Land Vorarlberg drängt auf die
parlamentarische Umsetzung von Bundesstaatsreform und
Konsultationsmechanismus. Im Bereich der Bundesgesetze geht es
derzeit um die länderfreundliche Gestaltung des
Wasserrechtsgesetzes, ein einfacheres Mietrecht sowie um Änderungen
im Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz und dem geplanten
Telekommunikationsgesetz.
Bei den laufenden Verhandlungen mit der Schweiz erwarten wir uns, daß unsere besonderen nachbarschaftlichen Anliegen, vor allem im Bereich des Verkehrs, der Personenfreizügigkeit sowie des grenzüberschreitenden Warenverkehrs, berücksichtigt werden. Um künftig das Zusammentreffen der Semesterferien mit den Ferienterminen der wichtigsten Herkunftsländer ausländischer Wintersportgäste zu vermeiden, soll im Schulunterrichtsgesetz für solche Fälle eine Verordnungsermächtigung zur Verschiebung der Semesterferien um eine Woche vorgesehen werden. Bei der Vergabe von Mitteln im Rahmen der Technologiemilliarde erwarten wir die Berücksichtigung auch von Vorarlberger Projekten und bei der Neuordnung der Elektrizitätswirtschaft müssen unserer Interessen gewahrt bleiben.
Vorarlberg muß sicher bleiben
Vorarlberg ist ein sicheres Land und muß es auch
bleiben. Deshalb hat die Sicherheitspolitik unseres Landes einen
hohen Stellenwert im Rahmen der Gesamtpolitik. Sicherheit ist nicht
teilbar - Sicherheit gibt es nicht zum Nulltarif. Niemand
garantiert uns Freiheit und Sicherheit, außer wir selbst. Friede
und Freiheit sind ein Geschenk, welches nie endgültig gewonnen ist,
sondern für das wir täglich arbeiten müssen. EU-Integration, der
Wegfall der Binnengrenzkontrollen, der Beitritt zum Schengener
Abkommen bringen Änderungen und damit neue Aufgaben.
In den nächsten Jahren wird die Bekämpfung der organisierten Kriminalität eine große Aufgabe der für die Sicherheit Verantwortlichen sein, wobei aber die anderen Bereiche der Kriminalität nicht vergessen werden dürfen. Es muß alles daran gesetzt werden, daß die Ausgleichsmaßnahmen zur Umsetzung der Schengener Verträge zeitgerecht getroffen werden. Die Beamten müssen optimal eingeschult werden.
Die technische Ausstattung ist dem neuesten Stand der modernen Verbrechensbekämpfung anzupassen. Unsere Forderung an den Bund nach einem Grundausbildungslehrgang bei der Gendarmerie noch im Herbst dieses Jahres bleibt aufrecht. Dem weiteren Ausbau der bisher so guten Zusammenarbeit aller Sicherheitsbehörden rund um den Bodensee gebe ich persönlich jede denkbare Unterstützung.
Die
fremdenpolizeilichen und aufenthaltsrechtlichen
Vorschriften wurden in Vorarberg schon in der
Vergangenheit stets mit Augenmaß und Humanität eingesetzt. Eine
verantwortungsvolle Fremdenpolitik kann und darf sich nicht nur am
Zuzugswillen der Menschen orientieren. Die Zahl der Ausländer ist
in Vorarlberg so hoch, daß die Chance zur Integration auf dem
Arbeitsmarkt, im Wohnbereich, in Schule und Kultur jahrelanges
Bemühen braucht.
Zuzugsstop und Toleranz gegenüber in Vorarlberg
beheimateten Ausländern sind weiterhin die Grundsätze unserer
Fremdenpolitik.
Sicherheit wird nicht nur durch das Ausmaß des Schutzes vor verbrecherischen Handlungen definiert. Sicherheit wird auch durch Maßnahmen bestimmt, die bei Unglücksfällen und außergewöhnlichen Ereignissen ergriffen werden können. Das Land Vorarberg hat durch die Einrichtung des Landeskatastrophenzentrums eine tragende Säule geschaffen für die Ausbildung junger Menschen, welche in verschiedenen Organisationen - Rettung, Feuerwehr - tätig sind. In der näheren Zukunft geht es vor allem darum, den anerkannt hohen Standard im Bereich der Feuerwehren und der Rettungsorganisationen zu halten und ihn den technischen Möglichkeiten und den sonstigen Rahmenbedingungen entsprechend anzupassen und zu verbessern. In diesem Sinne soll beispielsweise eine Erhöhung des Grades der Funkbedeckung des Funksystems für die Einsatzorganisationen verwirklicht werden.
Landesverwaltung: einfach - bürgernah - sparsam
Die Vorarlberger Landesregierung und der Landtag
können sich bei der Umsetzung ihrer Ziele mit der Landesverwaltung
auf ein gut funktionierendes Dienstleistungsunternehmen stützen.
Die an die Verwaltung gestellten Herausforderungen und Aufgaben
werden mit einem im Vergleich zu anderen Ländern geringen
Personalstand und mit modernen Methoden der Verwaltungsorganisation
bewältigt. Anstehende Vorhaben sind die
Novellierung des Dienstrechts, die Umsetzung der
Gehaltsreform, Verbesserungen in der Aus- und Weiterbildung, die
Ausbildung von Lehrlingen, die Einführung eines
Verwaltungspraktikums mit Kontakten zur Wirtschaft und die Frage
nach der
Schaffung von Tele- sowie
Teilzeitarbeitsplätzen.
Nach den Grundsätzen "bürgernah - einfach - sparsam" arbeiten wir gegenwärtig an einem Maßnahmenpaket für eine weitere Modernisierung unserer Landesverwaltung. Es geht dabei um die Entwicklung von bürgernahen Dienstleistungen unter Einsatz der Datenkommunikation, um die weitere Vereinfachung von Verwaltungsabläufen, um Kostenbewußtsein und um eine Steigerung der Mitarbeitermotivation. Im Rahmen eines Pilotprojektes soll die Einführung von Qualitätsstandards im Umgang mit dem Bürger, also dem Kunden unserer Verwaltung, erprobt werden.
Meine Damen und Herren, Vorarlberg hat gute Chancen für die Zukunft. Unsere Politik der kommenden Jahre verfolgt einen konsequenten Weg der Reform, der Offenheit für Neues, aber auch der Bodenständigkeit, der Pflege unserer Identität. Voralberg hat gute Zukunftschancen, wenn wir uns alle anstrengen. Das wir Vorarlberger zu mehr fähig sind als manche uns zutrauen, haben schon die Generationen vor uns bewiesen. Das zeigt uns die historische Entwicklung unserer Heimat. Eines sollten wir uns aber auf jeden Fall erhalten, nämlich Optimismus und Zuversicht.