vorarlberg.at/presse · Regierungserklärung
Herr Präsident, hoher Landtag!
In meiner Regierungserklärung vom 9. April 1997 anlässlich
des Landeshauptmannwechsels habe ich die wichtigsten
Handlungsfelder und Vorhaben der Vorarlberger Landesregierung im
Sinne einer zukunftsorientierten Politik für unser Land skizziert
und zu einer breiten Zusammenarbeit eingeladen. Vieles davon konnte
in den vergangenen zwei Jahren umgesetzt werden. Als Beispiele
nenne ich etwa die Gründung eines Zukunftsfonds, die Realisierung
des Chancenkapitalmodells, der weitere Ausbau der
Telekommunikation, die Schaffung eines Strukturfonds für
finanzschwache Kleingemeinden, neue Impulse im Bereich der
Erneuerbaren Energien, eine verbesserte Familienförderung oder die
Initiative Ehrenamt.
Mut zur Veränderung und Pflege unserer Wurzeln
Wir haben bewusst eine Strategie der Verbesserung unserer
Wettbewerbskraft und die Pflege unserer Wurzeln und Identität
gewählt. Dieser Kurs wird auch in Zukunft beibehalten. Notwendig
ist Mut zur Veränderung. Zugleich gilt: Fortschritt muss sich daran
messen lassen, ob er die Lebensbedingungen der Menschen verbessert.
Das Wohlbefinden einer Gesellschaft hängt nicht allein von der
Wettbewerbskraft eines Landes, sondern vom sozialen und
gesellschaftlichen Miteinander ab. Wir werden daher nicht zulassen,
das Menschen gegeneinander ausgespielt werden, Frauen gegen Männer,
Alte gegen Junge oder Inländer gegen Ausländer. Dies führt zu einer
Spaltung der Gesellschaft und bedroht deren inneren Zusammenhalt.
Wir wollen in Vorarlberg eine stabile und menschliche
Gemeinschaft in einer unruhigen Welt. Mit dem gleichen Elan, mit
dem wir Innovation und Veränderung voranbringen, werden wir uns
auch um jene Menschen kümmern, die Hilfe brauchen,
Pflegebedürftige, Kranke, Behinderte, Menschen ohne Arbeit.
Gemäß unserem Ziel, Vorarlberg als wirtschaftliche
Aufsteigerregion mit menschlichem Gesicht zu erhalten.
Keine Schulden
Unsere Ausgangslage am Vorabend des 21.
Jahrhunderts ist ausgezeichnet. Vorarlberg präsentiert sich heute
als erfolgreiche europäische Wirtschaftsregion mit hoher
Lebensqualität, sinkender Arbeitslosigkeit sowie besten Wohn-,
Sozial- und Umweltstandards. Dies kommt nicht von ungefähr. Es ist
vor allem der Fleiß der Mitbürgerinnen und Mitbürger, eine gelebte
Sozialpartnerschaft und eine verantwortungsvolle politische
Führung, die Vorarlberg zu dem gemacht hat, was es heute ist. Die
gute Entwicklung unseres Landes bestätigt den eingeschlagenen Kurs
der Sparsamkeit und Zukunftsorientierung.
Der Grundsatz "keine Schulden" gilt für Vorarlberg auch
hinkünftig. Unter meiner Amtsführung werden wir unseren Kindern und
Enkelkindern keinen Schuldenberg hinterlassen. Das heißt,
ich werde auch in Zukunft vehement meine Stimme erheben, wenn
wieder neue unfinanzierbare Vorschläge - von wem auch immer -
auftauchen, die auf Kosten der Nachkommen unsere Bequemlichkeit
erhalten oder steigern sollen. Das ist mein persönliches
Verständnis von politischer Verantwortung für nachkommende
Generationen.
Eigenständige Landespolitik
Neben einer stabilen Finanzpolitik als Kern unserer
regionalen Gestaltungskraft geht es aber vor allem auch um einen
Kurs der Eigenständigkeit in der Landespolitik. Ich sage daher mit
aller Deutlichkeit:
Was wir selbst erledigen können, erledigen wir auch selbst.
Wir brauchen keine Zurufe von außen. Wir stehen
selbstverständlich für eine offene, grenzüberschreitende
Zusammenarbeit in einem Europa der Regionen, wehren uns aber dann,
wenn unsere Rechte und Gestaltungsmöglichkeiten durch Eingriffe von
außen bedroht sind. Ich bin überzeugt, den Regionen kommt im
Zeitalter der Globalisierung wachsende Bedeutung zu. Von den
Regionen und Ländern werden Politikfelder wahrgenommen, die an
Bedeutung gewinnen. Hierzu gehören zum Beispiel der Aufbau und die
Modernisierung von Infrastrukturen, ein Teil der Rahmenbedingungen
für Wirtschaft, Bildung und Forschung, die Qualität des Wohnens,
eine intakte Umwelt und ein breites Kulturleben.
Impulse für Arbeit und Wirtschaft
Die größte Herausforderung der Landespolitik der nächsten
Jahre bleibt weiterhin der Bereich Arbeit und Wirtschaft.
Globalisierung und Ostöffnung erzeugen großen Wettbewerbsdruck,
bringen aber auch große Markt- und Wachstumschancen für unsere
gesamte Wirtschaft. Wir verfolgen konsequent ein ehrgeiziges Ziel.
Jeder der arbeiten will, soll im Land Arbeit finden. Die
Landespolitik kann keine Arbeitsplätze aus dem Hut zaubern, sie
kann aber Impulse setzen. Zusätzlichen finanziellen Spielraum
erhalten wir aus den Zinserträgen des neu geschaffenen
Zukunftsfonds.
Wir werden daher:
Das sind einige wirtschaftspolitische Akzente der nächsten
Jahre. Unsere Wirtschaftspolitik kennzeichnet Offenheit und
Dynamik.
Letztlich geht es aber dabei immer um die Menschen, die
Arbeit brauchen.
Schwerpunkte Bildung und Forschung
Entscheidend für die Zukunft ist die Fähigkeit, ständig zu
lernen. Das ist der einzige dauerhafte Wettbewerbsvorteil. Statt
Angst vor Veränderung und der Versuchung, in die Vergangenheit zu
flüchten, brauchen wir Neugier auf die Zukunft, Innovation und
Selbstvertrauen in die eigene Kompetenz. Das ist der Grund, warum
wir die Bildungspolitik stark in den Mittelpunkt unserer
Regierungsarbeit stellen. Investitionen in die Bildung sind
Investitionen in die Zukunft. Es gilt die qualitativ hochwertige
und anerkannte Basisausbildung an unseren Schulen zu festigen und
die Vielfältigkeit des Bildungssystems zu erhalten.
Wir setzen auf eine solide Fachausbildung und
stärken das duale Berufsausbildungssystem. Mehr als 50 Prozent der
15jährigen haben sich in den letzten Jahren für eine Lehrausbildung
entschieden und so den Grundstein für ein erfolgreiches Berufsleben
gelegt. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit den Ausbildungsbetrieben
ein breit gefächertes Lehrstellenangebot zu erhalten, die
Berufsreifeprüfung für Lehrlinge zu fördern und das Image der Lehre
in der Öffentlichkeit zu verbessern. Außerdem investieren wir
gezielt in die Ausstattung der Berufsschulen im Land, denn die
Lehrlinge von heute sind die wichtigsten Fachkräfte von morgen. Ein
zweiter Schwerpunkt ist die konsequente Erweiterung der Dornbirner
Fachhochschule. Deren Technologie- und Forschungskapazitäten werden
im Dienste der Vorarlberger Wirtschaft ausgebaut. Zudem wird die
Fachhochschule ergänzend zu den Vollstudiengängen neue Formen von
berufsbegleitenden Studien realisieren.
Selbständigkeit und Partnerschaft in der
Energiepolitik
Große Aufgaben kommen auf uns im Bereich der Energiepolitik
des Landes zu.
Wir wollen unsere führende Position als Billigstromland
behaupten und dies bei Erhaltung der Eigenständigkeit. Wir
bauen vor allem auf eine gute Partnerschaft mit unseren Nachbarn in
Baden-Württemberg. Es geht um die Sicherung der Wasserreserven für
unsere Kinder und die Erhaltung der Wertschöpfung aus der
Stromproduktion für die Menschen in Vorarlberg.
Nachhaltiges Handeln und Denken
Unserem Grundsatz der Nachhaltigkeit zufolge kommt der
Verringerung des Energieverbrauchs und der daraus entstehenden
geringeren Umweltbelastung hohe Bedeutung zu. Vorrang in der
Energiepolitik des Landes hat daher das Energiesparen. Wir werden
die
Energiesparmaßnahmen weiter vorantreiben und den
Ersatz fossiler durch nachwachsende Energieträger verstärkt
fördern. Neben der Wasserkraft konzentrieren wir uns auf Biomasse
und Solarenergie. Als Grundlage unserer Arbeit der nächsten 10
Jahre wird ein neues Energiekonzept erstellt. Der Grundsatz der
Nachhaltigkeit prägt ganz entscheidend unser politisches Handeln.
Nach meinem Verständnis von Nachhaltigkeit, geht es darum, so zu
leben und zu wirtschaften, dass wir die Chancen kommender
Generationen erhalten, das heißt
nicht vom Kapital sondern von den Zinsen zu leben.
Unser Maßnahmenpaket umfasst schwerpunktmäßig eine
hohe Förderung kleiner strukturschwacher Gemeinden aus dem neuen
Strukturfonds, die Unterstützung regionaler Partnerschaften, die
Ausweitung der Nahversorgungsprojekte "Lebenswert leben", eine
verstärkte Förderung der Lebensmittelnahversorgung, die Einbindung
des Naturschutzrates zur Vorbereitung von Entscheidungen der
Landesregierung, die Entwicklung attraktiver Lebens- und
Wirtschaftsräume nach dem Konzept des "Biosphärenparks", die
Intensivierung des Klimaschutzprogramms sowie eine Fortsetzung des
erfolgreichen Weges der Gewässerreinhaltung und des
Schutzes der Trinkwasserreserven für die nächste
Generation.
Umweltschonende Verkehrsabwicklung
Eine besondere Rolle spielt in diesem Zusammenhang auch die
Verkehrspolitik im Land. Erklärtes Ziel der Landespolitik ist die
möglichst umweltschonende Abwicklung des notwendigen Güter- und
Personenverkehrs. Im hochrangigen Netz sind noch einige
Lückenschlüsse notwendig, um unerträgliche Belastungen der
Bevölkerung zu verringern. Es geht um den schrittweisen Ausbau der
zweigleisigen Arlbergstrecke und die Planung des
Pfänderbahntunnels. Im Mittelpunkt der Verkehrsplanung stehen aber
die Schaffung von Alternativen, wie Fahrradwege und öffentlicher
Verkehr, sowie der Schutz der Bevölkerung vor Verkehrslärm und
Abgasen. Den eingeschlagenen Weg der Verkehrsvermeidung und
Verlagerung auf öffentliche Verkehrsmittel ist fortzusetzen. Ebenso
bleibt die Forderung nach einem Ausbau der Bahninfrastruktur ein
zentrales Vorarlberger Anliegen.
Es geht um den schrittweisen Ausbau der zweigleisigen
Arlbergstrecke und die Planung des Pfänderbahntunnels.
Klares Bekenntnis zur bäuerlichen Landwirtschaft
Die nachhaltige Sicherung des Lebensraums verlangt auch ein
klares Bekenntnis zur Stärkung des ländlichen Raums. Die bäuerliche
Landwirtschaft ist für Vorarlberg unverzichtbar. Bäuerliches Denken
und Arbeiten heißt aus jahrhundertelangen Erfahrungen mit der Natur
zu wirtschaften und ist zugleich ein wertvoller Bestandteil unserer
Gesellschaft, Kultur und Tradition.
Deshalb braucht der Arbeitsplatz Bauernhof faire
Zukunftschancen. Das Land Vorarlberg hat aus diesem
Verständnis heraus schon sehr früh die bäuerlichen Leistungen
entsprechend abgegolten und sich bemüht Einkommenseinbußen
auszugleichen. An diesem Kurs werden wir auch in Zukunft
festhalten. Gleichzeitig kämpfen wir engagiert dafür, dass die
Europäische Union und der Bund Ausgleichsaufgaben wahrnehmen. Was
wir brauchen, ist vor allem mehr regionaler Spielraum für die
Leistungsabgeltung in der Landwirtschaft. Dafür setzen wir uns ein.
Neue Zukunftschancen für die heimische Landwirtschaft liegenin der
Kooperation bei der Verarbeitung und Vermarktung bäuerlicher
Produkte und in einer verstärkten Zusammenarbeit mit anderen
Wirtschaftszweigen. Dadurch werden die Voraussetzungen geschaffen,
dass unsere hochwertigen bäuerlichen Produkte durch das klare
Bekenntnis der Vorarlberger Bevölkerung auf dem Heimmarkt die
Nummer 1 werden.
Vorarlberg: ein Land mit sozialer Gesinnung
In einem sind sich Zukunftsforscher einig, die
Gesundheitspolitik wird vor dem Hintergrund eines stark zunehmenden
Gesundheitsbewusstseins eine zentrale Aufgabe der nächsten
Jahrzehnte.
Wir bekennen uns dazu: Eigenverantwortung hat auch im
Gesundheitswesen Vorrang. Wir helfen den Menschen und betreuen sie,
wenn ihre eigenen Kräfte überfordert sind, immer wenn sie
Behandlung und Unterstützung benötigen. Gesundheit ist aber nicht
allein Sache der Ärzte, der medizinischen Pflege und Krankenhäuser,
sonder liegt immer mehr auch in der Eigenverantwortung des
Einzelnen. Die wichtigsten Bausteine unseres Gesundheits- und
Sozialsystems sind:
Unser Ziel ist es, in Vorarlberg die medizinischen und sozialen
Standards in Vorarlberg auf hohem Niveau zu halten. Dies erfordert
Investitionen, etwa in die Modernisierung des Landeskrankenhauses
Bregenz oder in die Sicherstellung einer guten medizinischen
Betreuung im Montafon, um nur zwei Beispiele anzuführen. Dazu zählt
auch die Forcierung von Tageskliniken nach der Devise "ambulant vor
stationär" und der weitere Ausbau von Nachsorgeeinrichtungen, wie
er sich im Landeskrankenhaus Rankweil bewährt hat.
Nachsorgeeinrichtungen sichern den Übergang zu den ausgezeichnet
funktionierenden Einrichtungen im ambulanten Bereich und der
stationären Langzeitpflege. Eines ist mir ganz besonders wichtig,
nämlich dass wir auch bei Einsatz modernster medizinischer Methoden
für die Behandlung von Kranken den
Aspekt der Menschlichkeit nie aus den Augen
verlieren.
Vorarlberg ist ein Land mit sozialer Gesinnung. Und das soll
auch so bleiben. Ich nenne in diesem Zusammenhang einige
Schwerpunkte der künftigen Sozialpolitik in Vorarlberg. Bereits im
Jahre 1990 hat Vorarlberg den Pflegezuschuss eingeführt, um die
Pflege in der Familie zu fördern und Alternativen zur Heimbetreuung
anzubieten. Wir respektieren damit den Wunsch der Menschen, auch im
Krankheits- oder Pflegefall in ihrer vertrauten Umgebung bleiben zu
können. Wir dürfen aber jene Menschen und Familien, die sich der
oft schwierigen Aufgabe der Pflege ihrer Angehörigen widmen, nicht
allein lassen. Sie brauchen unsere Unterstützung im Sinne neuer
Modelle wie Teambetreuung, Tagesbetreuung, Kurzzeitpflege, Aktion
"Urlaub von der Pflege", Ausbau der Hauskrankenpflege und der
mobilen Hilfsdienste, tagesklinische Rehabilitation. Hierher gehört
auch die Behindertenhilfe, die in der Vorarlberger Gesundheits- und
Sozialpolitik traditionell einen Schwerpunkt bildet.
Keine Verharmlosung der Drogen
Ziel aller drogenpolitischen Maßnahmen ist es, den Einstieg
in Missbrauch und Suchtmittelabhängigkeit zu verhindern. Drogen
sind nicht schlecht weil sie verboten sind, sie sind verboten weil
sie schlecht sind.
Die Drogenfreigabe wird von uns klar abgelehnt,
weil sie ein gesellschaftliches Signal der Verharmlosung wäre.
Unser Drogenkonzept sieht einerseits eine möglichst
frühe Prävention durch Beratung und Aufklärung
vor, anderseits eine bestmögliche Hilfestellung für Süchtige, die
den illegalen Drogenkonsum aufgeben möchten. Jenen, die
drogenabhängig sind, gewähren wir jede mögliche Hilfe und
Unterstützung, die notwendig ist, um aus der Sucht herauszukommen.
Selbstverständlich ist, dass
gegen Rauschgifthändler und Dealer mit aller Härte des
Gesetzes vorgegangen wird.
Familie hat Zukunft
Kinder haben Vorrang, deshalb hat Familie Zukunft. Wir
stellen das
Wohl der Kinder in den Vordergrund. Für Kinder und
Jugendliche ist die Familie ein Ort der Beheimatung und der
Geborgenheit. Das Familienleben ist die prägende Vorbereitung,
sozusagen die Gehschule auf das praktische und berufliche Leben.
Wir leben in einer Zeit der sozialen Veränderung und des Wandels
mit tief greifenden Auswirkungen auf das traditionelle
Familienleben. Eine echte partnerschaftliche Haltung zwischen Mann
und Frau, die gleiche Lebenschancen ermöglicht und die Lasten nicht
nur einseitig verteilt, ist heute mehr denn je erforderlich. Die
Partner sollen sich aber frei entscheiden können, in welcher
Aufteilung und Rollenverteilung sie die Aufgaben in der Familie und
in der Erwerbswelt wahrnehmen wollen. Familienpolitisch erfordert
dies, materielle Rahmenbedingungen gerade für Familien mit jüngeren
Kindern so zu gestalten, dass nicht beide Elternteile
ausschließlich der Erwerbsarbeit nachgehen müssen.
Unser politisches Ziel ist es, den Familien einen gesicherten
rechtlichen und finanziellen Rahmen zu geben. So hat das Land den
Schutz und die Förderung der Familie in der Landesverfassung
verankert und bekennt sich zum weiteren Ausbau des
Familienzuschusses. Schutz der Familie bedeutet für uns aber auch,
Fehlentwicklungen in Familien, wie etwa steigende Gewalt und
Missbrauch nicht zu tabuisieren, sondern konsequent dagegen
aufzutreten und den Betroffenen Hilfe und Beratung anzubieten.
Unsere familienpolitischen Ziele der nächsten Jahre sind:
Chancengleichheit für Frauen
Eine Kernaufgabe der Zukunft ist die Verwirklichung der
Chancengleichheit für Frauen. Frauen leisten enormes für unser Land
in der Familien- und Hausarbeit ebenso wie im Berufsleben, im
sozialen Leben und in der Politik. Diese Arbeit ist unverzichtbar
für die Zukunft Vorarlbergs. Auf allen gesellschaftlichen Gebieten
haben Frauen in den vergangenen Jahren Einfluss auf die Gestaltung
und Entwicklung genommen, von einer echten Gleichbehandlung sind
wir aber noch ein Stück weit entfernt.
Frauenpolitik heißt deshalb, in erster Linie für
Gleichbehandlung engagiert zu kämpfen. Dies allerdings auf
der Basis einer
Partnerschaft zwischen Mann und Frau und nicht als
altmodische Konfliktstrategie gegen Männer oder umgekehrt.
Partnerschaft heißt, Frauen in allen Bereichen gleichwertig
anzusehen, ernst zu nehmen und zu respektieren. Chancengleichheit
muss in allen Bereichen, in der Familie, in der schulischen und
beruflichen Ausbildung, in der Arbeitswelt und in der Politik
stärker umgesetzt werden. Es muss dabei natürlich Platz sein für
die unterschiedlichsten Lebensentwürfe der Frauen. Das bedeutet
auch, Hausfrauen eine höhere Wertschätzung entgegenzubringen. Wir
stehen für eine echte Wahlfreiheit, bei der sich Frauen und Männer
frei entscheiden können, ob sie sich ausschließlich der Arbeit in
der Familie oder dem Beruf widmen, oder beides miteinander
verbinden möchten. Wahlfreiheit statt Bevormundung lautet unser
Leitsatz in der Frauenpolitik der nächsten Jahre. Unsere konkreten
Vorhaben sind beispielsweise die weitere Steigerung der
Frauenanteils im Landes- und Gemeindedienst, mehr Angebote von
Weiterbildungsmöglichkeiten zum Wiedereinstieg in den Beruf, mehr
Teilzeitarbeitsplätze, ein Schwerpunkt in der Mädchenförderung und
die Schaffung zusätzlicher Kinderbetreuungsplätze.
Jugend nicht nur fördern, sondern auch fordern
Die Vorarlberger Landesregierung steht für eine langfristige
Politik, die die Lebenschancen künftiger Generationen nicht
verbraucht.
Die Zukunft unseres Landes ist die Jugend. Die
Jugendarbeit wird daher nicht in erster Linie für die Jugend
sondern mit der Jugend erfolgen. Mit dem Projekt "Misch Dich ein"
setzen wir neue Maßstäbe in der Jugendbeteiligung, die weiter
ausgebaut werden sollen. Ziel ist die vermehrte Einbindung
Jugendlicher in politische Entscheidungsprozesse. Jugendliche
sollen mehr Gelegenheit bekommen sich aktiv einzubringen und ihre
Meinungen und Wertvorstellungen einer größeren Öffentlichkeit zu
präsentieren.
Ich bin überzeugt, wir müssen unsere Jugend nicht nur
fördern, sonder auch fordern. Gerade unter jungen Menschen
ist die Sorge um die Zukunft weit verbreitet. Vielfach macht sich
eine gewisse Orientierungslosigkeit breit, die dann in
übertriebenes Konsumverhalten mündet. Unsere Jungen sind aber auch
enorm leistungswillig und lernbereit und nicht wenige wollen
mitgestalten. Darauf müssen wir verstärkt setzen. Neben der
Familie, der Schule und den Vereinen kommt daher auch der offenen
Jugendarbeit eine ganz entscheidende Bedeutung zu. Unsere
Schwerpunkte in der Jugendarbeit sind: neben der Förderung des
vielfältigen Vereinslebens ein breiteres Aus- und
Weiterbildungsangebot für Mitarbeiter der Offenen Jugendarbeit,
Förderung von Jugendzentren, Auslandsstipendien, Durchführung von
Jugendkulturwochen in Vorarlberg, Zugang zu neuen Medien und
Verbesserungen im Ausbildungsangebot.
Gerade für die Jugend geht vom Sport eine enorme Faszination
aus. Ausreichende Bewegung und sportliche Betätigung sind nicht nur
Ausdruck von Lebensfreude und sinnvoller Freizeitgestaltung, sie
stellen auch einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Gesundheit
dar. Bei Jugendlichen stärkt die sportliche Betätigung das
Selbstvertrauen und fördert den Leistungswillen.
Der Sport in Vorarlberg gehört zu jenen Bereichen, die
bewusst kräftige Budget-Impulse erfahren. An der Spitze
stehen die Förderung des Breiten- und Spitzensports, die Errichtung
von Sportstätten, die Förderung des Mannschaftsspitzen- und
Nachwuchssports. Besonders verstärken werden wir die Jugend- und
Nachwuchsarbeit. Ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt ist der weitere
Ausbau der Sportinformation Vorarlberg. Im Vorarlberger Landtag
werden wir einen Sportausschuss einrichten.
Stärkung der Vereinsarbeit - Ehrenamtlichkeit
forcieren
Nicht nur im Sport, sondern nahezu in allen
gesellschaftlichen Bereichen hat die ehrenamtliche Arbeit tausender
engagierter Menschen eine enorme Bedeutung für die Zukunft. Viele
Teile unseres Lebens funktionieren nur deshalb, weil es Menschen
gibt, die ohne viel Worte mehr tun als sie tun müssten. Wichtige
Aufgaben zum Zusammenhalt unserer Gemeinschaft werden von
Ehrenamtlichen übernommen. Diese Leistungen sind für Vorarlberg
unverzichtbar und unbezahlbar. Wir werden daher auch in den
kommenden Jahren alles unternehmen, das Ehrenamt zu stärken und die
Vereine aktiv zu unterstützen.
Eine Fortsetzung der Initiative Ehrenamt ist
beabsichtigt.
Kunst und Kultur sollen herausfordern
Vorarlberg ist ein Land mit und für Kultur, mit einem
kulturellen Ambiente, das weit über die Grenzen hinaus bekannt und
durch das kreative Potential seiner Kunst- und Kulturschaffenden
geprägt ist. Im Mittelpunkt unserer Kulturpolitik stehen
künstlerische Freiheit und Kreativität. Das hat in den letzten
Jahren zu einer enormen kulturellen Vielfalt und einer kaum
überschaubaren Zahl kultureller Aktivitäten und Initiativen
geführt. Eindrucksvoller Beweis dafür ist auch das große Interesse
und die Bereitschaft breiter Bevölkerungsschichten, sich persönlich
für Kultur zu engagieren.
Dieses offene, kulturelle Klima im Land wollen wir weiter
pflegen. Wir greifen nicht dirigistisch in das Kulturleben
ein. Wir fördern kulturelle Rahmenbedingungen, stellen
Infrastruktur bereit und garantieren ein Kulturklima, das kreatives
Kunst- und Kulturschaffen herausfordert. Durch eine breite
Kulturförderung in den Regionen erleichtern wir auch in Zukunft den
Zugang zu kulturellen Veranstaltungen im Land. Eine bedeutende
Rolle kommt dabei neben den
Bregenzer Festspielen und der Schubertiade den vielen
kleinen Kulturveranstaltern und Kulturinitiativen zu. Die
völlige Neustrukturierung des Theaters für Vorarlberg mit der
Bestellung des neuen Leiters und eine Neukonzeption des
Vorarlberger Landesmuseums bilden zwei wichtige neue
Arbeitsschwerpunkte. Ein ständiges Anliegen bleibt
selbstverständlich weiterhin die Betreuung der volkskulturellen
Vereinigungen und Aktivitäten in unserem Land
Regionen werden an Bedeutung gewinnen
Als weltoffenes uns zugleich heimatverbundenes Land bekennen
wir uns zur internationalen Zusammenarbeit in einem größeren Europa
der Regionen. Wir treten konsequent für ein
starkes Europa der Regionen und sehen Vorarlberg
als engagierten Anwalt für mehr Föderalismus und mehr Subsidiarität
in der Europäischen Union. Wir stehen aber auch für eine Stärkung
der Europäischen Union in Fragen der Sicherheits- und Außenpolitik.
Eine neue Aufgabe der nächste Jahre liegt in der
zukunftsweisenden Entwicklung des ländlichen
Raums. In langwierigen Verhandlung ist es gelungen, für
Vorarlberg ein größeres ländliches EU-Zielgebiet zu bekommen. Die
Ausarbeitung förderungsfähiger Vorhaben und Projekte in
Zusammenarbeit mit den Gemeinden ist ein wichtiger
europapolitischer Schwerpunkt der neuen Legislaturperiode.
Sicherheit braucht regionale Strukturen
Die voranschreitende EU-Integration, der Wegfall
der Binnengrenzkontrollen und die Umsetzung des Schengener
Abkommens sind eine Bewährungsprobe für die Sicherheitspolitik des
Landes in den kommenden Jahren. Eines muss uns dabei klar sein,
Sicherheit gibt es nicht zum Nulltarif. Niemand
garantiert uns Sicherheit, außer wir selbst. Friede, Freiheit und
Sicherheit sind ein Gut, welches nie endgültig gewonnen ist,
sondern für das wir tagtäglich arbeiten müssen.
Vorarlberg zählt heute zu den sichersten Ländern der Welt.
Und das soll auch so bleiben. Sicherheit wird aber nicht
nur durch das Ausmaß des Schutzes vor Verbrechen definiert.
Zukunftsorientierte Sicherheitspolitik bedeutet auch, die hohen
Standards im Bereich der Feuerwehren, Hilfs- und
Rettungsorganisationen zu halten und den technischen Möglichkeiten
laufend anzupassen. Hierher gehört auch eine
konsequente Haltung in der Fremdenpolitik nach dem
Grundsatz "Zuzugsstop und Toleranz". Eine
verantwortungsvolle Fremdenpolitik kann und darf sich nicht nur am
Zuzugswillen der Menschen orientieren. Die Zahl der Gastarbeiter
ist in Vorarlberg so hoch, dass die Chance zur Integration der
legal im Land lebenden Gastarbeiter jahrelanges Bemühen braucht.
Die Vergrößerung der Zahl stört diesen notwendigen Prozess genauso
wie das Aufschaukeln von fremdenfeindlichen Gefühlen in
gefährlicher Weise. Darum sagen wir Zuzugsstop und Toleranz.
Bürgernahe Verwaltung
Wir wollen eine moderne und
sparsame Landesverwaltung, die sich als Dienst am Bürger
versteht. Die Vorarlberger Landesregierung hat dazu ein
Strategiepapier vorgelegt, dessen Umsetzung uns die nächsten Jahre
beschäftigen wird. Denn eines muss uns klar sein, die
Leistungsfähigkeit der Verwaltung ist ein wichtiger Faktor für die
Wettbewerbskraft der heimischen Unternehmen und die Attraktivität
des Landes als Wirtschaftsstandort. Heute schon werden die an die
Verwaltung gestellten Aufgaben und Herausforderungen mit einem im
Vergleich zu anderen Ländern - auch in unserer direkten
Nachbarschaft - geringen Personalstand und mit modernsten Methoden
der Verwaltungsorganisation bewältigt. So werden beispielsweise
Betriebsanlagengenehmigungsverfahren in Vorarlberg rascher als in
anderen Regionen abgeschlossen und die Wartezeit auf ein
Wohnbauförderungsdarlehen ist in unserem Land am geringsten.
Weitere Verbesserungen sind geplant.
Wir werden die Genehmigungsverfahren weiter
beschleunigen. Unsere Landesverwaltung versteht sich als
Partner der Wirtschaft. Weitere Schwerpunkte in den kommenden
Jahren sind die Realisierung des Corporate Network Vorarlberg, der
Ausbau des betrieblichen Vorschlagswesens, verstärkte Bemühungen im
Bereich flexible Arbeitszeiten, insbesondere der Teilzeit und die
Umsetzung der Gehaltsreform. An dieser Stelle sei auch erwähnt,
dass wir einen Vorstoß in Richtung Einführung der Briefwahl
unternehmen und bei dessen Einführung die Wahlpflicht abschaffen.
Meine Damen und Herren, Vorarlberg befindet sich auf dem Weg
ins 21. Jahrhundert in der ersten Startreihe. Unsere Politik der
kommenden Jahre steht für
Dynamik und Offenheit, für Gemeinschaft und Werte, für
Eigenständigkeit, Optimismus und Hausverstand. Und wir
setzen auf die Leistungsfähigkeit der Menschen in diesem Land. Ich
lade Sie ein, diesen Weg mitzugehen.